Zitate

Durch die Äste zweier Bäume strahlt die Sonne am Tag der Sonnenfinsternis 20.03.2015.
Die Kraft des Lichtes - 20.03.2015, 10:36 Uhr

Aus Briefen, Büchern, Filmen und Reden: Karl Heinz Mai

"Bei Karl Heinz Mai wird jedes Foto Dokument jener Zeit, sei es Porträt, Landschaft oder Stilleben. Bestechend durch ihre formale Konzentration und genaue Wirklichkeitsbeobachtung haben die Bilder eine suggestive Ausstrahlungskraft, die vergleichbar mit großen Vorbildern der Fotografie, wie Sander oder Ballhause, sind". 

Christine Rink, 1985

 

 Ausstellungseröffnung "Karl Heinz Mai - Die frühen Jahre" in der Galerie der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig, 1985


Die Kraft der Mai´ schen Fotos liegt in ihrer ungekünstelten, zupackenden Direktheit. Sachliche Dokumentation und Authentizität sind allgegenwärtige Absicht. Unbeabsichtigt ist ein Effekt, der sich aus der speziellen Fotografiersituation ergibt: Da er an den Rollstuhl gebunden war, weisen alle Fotos eine leichte Untersicht auf. Damit erreicht er eine "zufällige Heroisierung", die unaufdringlich das Gefühl für die Besonderheit der Situation verstärkt.

Peter Guth, 1985

 

Guth, P. (1985, 25. April). Einer neuen Zeit Beginn. Sächsisches Tageblatt, S. 7.

"Karl Heinz Mai - Die frühen Jahre" in der Galerie der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig, 1985


Ohne Zweifel war Karl Heinz Mai ein auch bildnerisch äußerst begabter Fotograf, der – zeitlebens unerkannt im Schatten einer aufgezwungenen Privatheit – mit enormer Willenskraft ein Lebenswerk geschaffen hat, das den Horizont persönlicher Lebensbewältigung weit überschreitet.“

Wolfgang Kil, 1989


Sie (die Fotos) weisen den Chronisten Mai als präzisen Beobachter aus, dessen Bilder in ihrer schnörkellosen, direkt-konzentrierten und exakten Aussage stark emotional berühren.

Sich selbst hat Karl Heinz Mai mit den Fotos ein Denkmal gesetzt - vergleichbar etwa mit den großen Vorbildern Ballhause und Sander oder - vielleicht auf Halle bezogen - wie Ziegler und Danz.

Bernd Heinrich, 1989

 

Heinrich, B. (1989, 07. April). Bilder vom Beginnen. Liberaldemokratische Zeitung Halle, S. 6.


Seine Fotos machen die Not, den Alltag kenntlich, auch die Kunst des Überlebens sowie jene abenteuerliche Mischung aus Verzweiflung, Trauer und trotzigem Humor. Jenseits der historischen Dokumentation, der illustrierbaren Stadtgeschichte, sind die Aufnahmen von jener unverwechselbaren Poesie, die zum Ausdruck großer Fotografen gehört. Die Porträts der Niederlage sind wie in der flämischen Malerei in den Raum einer Landschaft gestellt, die voller Andeutungen ist und die auch die Andeutung von Veränderung, von Überleben und Überwinden zeigt. Man kann diese überraschende Sammlung von Fotografien gewiss eine Sensation nennen. 

Fritz Rudolf Fries, 1990

 

Text im Buch "Portrait eine Zeit", Fritz Rudolf Fries / Karl Heinz Mai, Mitteldeutscher Verlag Leipzig / Halle, 1990


In eindrucksvoller Weise beleuchtet die Arbeit Ihres Vaters einen wichtigen Abschnitt der deutschen Geschichte.

Volker Thiel, Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, 1993


“Ein Bild von der Sinnlosigkeit des Krieges” wollte er mit der fotografischen Dokumentation des Trümmer- und Nachkriegsalltags machen - die durch die Fesselung an den Rollstuhl bedingte Untersicht seiner Aufnahmen ließ das persönliche Schicksal mit den Motiven der Bilder verschmelzen.

Christoph Kühn, 1998

 

Text zur Ausstellung , PRO Leipzig: “Opfer für ein modernes Stadtbild - Die 60er Jahre in Leipzig 


Neben reinen Architekturaufnahmen hat Karl Heinz Mai ein besonderes Gespür für die Menschen seiner Zeit entwickelt und beeindruckende Charaktere im Bild festgehalten. Seine Aufnahmen sind für eine anschauliche Darstellung der Umbruchperiode nach dem Zweiten Weltkrieg für das Museum unverzichtbar. Eine ständige Erinnerung an den Pionier der sozialgeschichtlichen Fotografie seiner Zeit wäre wünschenswert.

Dr. Volker Rodekamp

 

Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, 2001, (Auszug)


Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass das fotografische Erbe von Karl Heinz Mai zu einem der bemerkenswertesten Bildzeugnisse deutscher Nachkriegswirklichkeit zählt. Es ist Bestandteil der Geschichte der deutschen Fotografie.

Dr. Thomas Nabert


Pro Leipzig e.V., Leipzig, 2001, (Auszug)


Die Bilder von Karl Heinz Mai gehören für mich zu den wichtigen photographischen Leistungen der unmittelbaren Nachkriegszeit. Während andere bedeutende deutsche Photographen die Kriegszerstörungen photographierten, wandte sich Karl Heinz Mai ganz dem Leben und dem Wiederaufbau zu. Mit seiner außergewöhnlichen Beobachtungsgabe gelingen ihm wesentliche Aussagen über das Lebensgefühl in dieser Zeit. Seine Ausdruckskraft stützt sich vor allem auf die sensible Wahrnehmung von Körperhaltungen und Physiognomien. So sind seine Photographien weit mehr als Alltagsdokumente von einem Leben in einer außergewöhnlichen Zeit. Vielmehr sind es Bilder, die einprägsam und intensiv von Grenzerfahrungen ganz normaler Menschen berichten.

Ulrich Domröse


Berlinische Galerie, 2002, (Auszug)


"Ein Glück für Leipzig und unser Land, dass uns Karl Heinz Mai diese Fotos hinterlassen hat."

Bernd-Lutz Lange

 

Aus dem Vorwort des Bildbandes "Reporter des Alltags", Pro Leipzig, 2007


Erst in den Kennkartenfotos von Karl Heinz Mai haben wir Gelegenheit, in die Gesichter von Individuen zu blicken, die den Krieg überlebt haben (Abb. , S. 63). Obwohl diese Fotoporträts keine Gefühlsregung zeigen, ermutigen sie uns - anders als August Sanders Weimarer Typisierungen - zu entdecken, was unter der fotografischen Oberfläche liegt - das durchdringende Element, das Roland Barthes punctum genannt hat. (S. 62-63)

 

Eckmann, S. (2009). Brüche und Kontinuitäten. Moderne deutsche Kunst zwischen "Drittem Reich" und Kaltem Krieg. In S. Barron, & S. Eckmann (Hrsg.), Kunst und Kalter Krieg - Deutsche Positionen 1945-89 (S. 48-63). Köln, Deutschland: Dumont.

Dr. Sabine Eckmann, Direktorin und leitende Kuratorin des Mildred Lane Kemper Art Museum an der Washington University in St. Louis.

Aus dem Amerikanischen von Ingrid Hacker-Klier


Eher persönlich in der Darstellung innerer Zerstörungen präsentieren sich die Fotos für amtliche Kennkarten von Karl Heinz Mai. Die Aufmerksamkeit wird auf den ernsten Gesichtsausdruck und die einfache Kleidung der Modelle gelenkt, die die Realität ihrer Lebenssituation in den Nachkriegsjahren einfängt. Die Bilder von Mai sind frei von Sentimentalität, sie dokumentieren den Alltag.

 

Schöne, D. (2009). Künstler und Kunstwerke der Ausstellung. In S. Barron, & S. Eckmann (Hrsg.), Kunst und Kalter Krieg - Deutsche Positionen 1945-89 (S. 298-299). Köln, Deutschland: Dumont.


Fortsetzung folgt