Kalenderblätter 2024


Der Spaziergang am Neujahrsmorgen im Schnee, die ersehnte Ruhe nach der meist fröhlichen, temperamentvollen Silvesternacht bei Tanzmusik in zahlreichen Leipziger Sälen, in Gaststätten oder daheim mit Schallplatten, Rundfunk oder bei handgemachter Musik und Gesang. Girlanden und Papierschlangen, lustige Hüte, Tischfeuerwerk, Konfetti, Sternchenfeuer, Blitzknaller und kurz aufflackernde Raketen und schon war das neue Jahr 1958 in aller Munde. Nur wenige Schritte von den Wohngebieten und dem Stadtzentrum entfernt, lockt der Johannapark zum Verweilen und Entspannen. Diese Stimmung einzufangen, die typische Parkgestaltung und die Sichtachse zum Neuen Rathaus zu kombinieren, ist nicht nur meinem Vater Karl Heinz Mai (1920-1964) gelungen. Einfach war es nicht, bei diesem Wetter mit dem Rollstuhl in der Stadt unterwegs zu sein. Oft fotografierte er in den geschichtsträchtigen, benachbarten Parkanlagen, die alle von 1955 bis 2011 im Zentralen Kulturpark "Clara Zetkin" aufgegangen waren.

 

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts erwarb der Leipziger Unternehmer und Bankier Wilhelm Theodor Seyfferth die Wiesenflächen an der Pleiße und der spätere Leipziger Stadtgartendirektor Carl Otto Wittenberg, ein Schüler Peter Joseph Lennés, gestaltete 1858 nach dessen Plänen den Johannapark. Ein Park war im Sinne Seyfferths Tochter entstanden: "andern Freude zu machen". Stiftung und Park tragen ihren Namen und erinnern an sie. 1877 gestaltete Wittenberg den Scheibenholzpark und ab 1898 die Nachbarflächen - nach Abriss der provisorischen Messebauten der "Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung Leipzig 1897" - zum König-Albert-Park (ab 1918 Albertpark) mit Geldern aus dem Nachlass des Leipziger Kaufmannes Grassi. Der Scheibenholz- und der Albertpark sind seit 2011 der heutige Clara-Zetkin-Park. Palmengarten, Klingerhain und Johannapark tragen wieder ihre ursprünglichen Namen. 

Ein Winterbild als Anregung, das reiche Leipziger Stadtgrün, seine Geschichte und die weitere Entwicklung entdecken zu wollen?


FEBRUAR 2024

Leipziger Messeamt, Hainstraße 16/18, 1956

 

Es ist eine wechselvolle Geschichte des einst größten Leipziger Hotels um 1848 mit 130 Zimmern, die vor zweihundert Jahren ihren Anfang nahm. Es begann mit dem schrittweisen Grundstückskauf und dreier Gebäude ab 1819 durch den Gastwirt Christian August Pusch. Sie wurden ab 1843 als Hôtel de Pologne geführt. Ihre eigene Geschichte reicht bis zu Luthers Zeiten zurück. 

Nach einem Großbrand 1846 ließ Pusch durch den Architekt Christian August Eduard Pötzsch einen fünfstöckigen Neubau errichten, der 1848 wieder als Hôtel de Pologne eröffnete. Ab 1891 erfolgte ein grundlegender Umbau durch den Architekten Arwed Rossbach, frei von Einschränkungen, da Pläne für eine Passage zur Katharinenstraße verworfen wurden. Die repräsentative Fassade zur Hainstraße entstand im Stil florentinischer Renaissance. Zwei neobarocke Festsäle mit 1500 Plätzen wurden vom Berliner Architekten Ludwig Heim gestaltet. Der Hotelbetrieb florierte und es wurden nicht nur rauschende Feste gefeiert. In einem der prunkvollsten Hotels Deutschlands residierten Könige und Fürsten, berühmte Persönlichkeiten und es logierten Gäste aus der ganzen Welt.

Im Ersten Weltkrieg diente das Hotel als Lazarett. 1917 wurde der Hotelbetrieb eingestellt und in den Sälen gab es noch Gastronomie und Kabarett und parallel die Nutzung als Messehaus. Ab 1943 hieß es Soldatenheim, danach Casino und Atrium.  

Von 1950 bis 1993 war es ein Bürogebäude des Leipziger Messeamtes. In dieser Zeit wurde ein Festsaal bis 1991 als Betriebskantine genutzt, deren Einbauten erst mit der denkmalgerechten Sanierung von 2011-2014 revidiert wurden.

 

Auf dem Foto ist der Eingang zum Messeamt zu sehen, daneben befinden sich Einzelhändler, ein Möbelhaus, ein Schuhgeschäft. Die Schaufenster und die Fenster der Zwischenetage sind unterschiedlich gestaltet. 

Das perfekt sanierte Gebäude verfügt über eine neue Etage mit Tagungs- und Konferenzräumen sowie eine Dachterrasse. Die Fassade erhält ihr bekanntes Äußeres zurück. Die beiden restaurierten Festsäle laden ein zu Konzerten und Veranstaltungen. 

Das Hôtel de Pologne ist kein Hotel mehr. Als Büro-, Tagungs-, Geschäftshaus und Kulturstätte ist es eine echte Perle im Zentrum Leipzigs. 

Aus dem Französischen übersetzt heißt es “Hotel Polen”. Es verdankt seinen Namen dem König Stanisław I. Leszczyński (1677–1766), der 1706 im Gasthof “Birnbaum” wohnte. Der Gastwirt Pusch hatte bereits 1843 mit seiner Namensgebung daran erinnert. 


Kalenderblätter 2023

Der Leipziger Hauptbahnhof mit der Straßenbahn-Zentralhaltestelle auf dem Platz der Republik (Willy-Brandt-Platz) und einem besonderen Straßenbahn-Großraumzug sind Titelbild des Kalenders 2023. Die Straßenbahn gab es nur einmal in Leipzig, denn sie wurde in den LVB-Werkstätten Heiterblick hergestellt, weil die volkseigene Industrie nicht liefern konnte. Weil dies allerdings zu kostenintensiv war, ist es bei dem einen Straßenbahnzug geblieben. In der 2022 erschienenen Festschrift "150 Jahre Straßenbahn für Leipzig" gibt es weitere Informationen vom Autor Helge-Heinz Heinker. Eine Ansichtskarte von 1961, die sich in seinen Unterlagen befindet, zeigt nicht mehr die abgebildeten Haltestellensäulen, so dass es  durchaus möglich ist, dass die Aufnahme sogar vor 1961 gemacht wurde. 

Im Hintergrund befindet sich das Hotel Continental (Victor´s Residenz-Hotel), die Altbebauung der rechten Seite der Wintergartenstraße und die Ruine des Hotels Stadt Rom. Das Erdgeschoss mit Möbelhaus Weber und dem Weinhaus Tusculum-Bar und mit der 1. Etage als Hotel wurden weiterhin genutzt. Eine Fotografie von 1962 zeigt das Gebäude mit einer Verkleidung mit Werbung für "DEDERON, Lanon und Zellwolle". Die rechte Seite der Wintergartenstraße und das Hotel Stadt Rom mit angrenzenden Gebäuden wurden 1969 für das geplante Wohnhochhaus abgerissen. KDM


 

In kalten Wintern waren alle Leipziger Gewässer Treffpunkt für Jung und Alt, besonders um zu rodeln, zu rutschen und vorwiegend natürlich Schlittschuh zu laufen. 

 

Wer keine Schlittschuhe besaß oder auch nicht Schlittschuh laufen konnte, hatte trotzdem seinen Spaß. Meist wurden Schlitterbahnen von einer kleinen Gruppe angelegt und die Hänge hinunter oder auf den langen, spiegelglatten Bahnen in der Ebene gerutscht. Die klobigen, kantigen Winterschuhe mit ihren Ledersohlen schlitterten wie von selbst. Kein Wunder, wenn man da auch mal die Balance verlor. Mein Freund Frank denkt heute noch an Gesicht und Nase und an die schmerzenden Spuren vom Eis.

 

Seit Anfang der 1950er Jahre trägt der Eutritzscher Park zu Ehren des 1949 verstorbenen liberalen sächsischen Landtags-abgeordneten Arthur Bretschneider seinen Namen.

 


 

Im ehemaligen Messehaus Union, was für die spätere Wohn- und Geschäftsbebauung zwischen Richard-Wagner-Straße und Brühl, mit vielen weiteren intakten Bauten 1968 abgerissen wurde, befand sich in gleichnamiger Straße die Gaststätte "Am Hallischen Tor". 

 

Die modern gestaltete Imbiss- und Schnellgaststätte war ein beliebter und stark frequentierter Ort und das nicht nur zu den Leipziger Messen im Frühjahr und Herbst.

 

Heute befindet sich in der Straße die Auffahrt zum Parkhaus des Einkaufszentrums "Höfe am Brühl", nachdem 2007/2008 die drei Wohnblöcke, die Geschäfte und schließlich auch, trotz der Proteste aus der Bevölkerung, das ehemalige Kaufhaus Brühl abgerissen worden waren.


 

Das 15. Flugzeug der Flotte der Deutschen Lufthansa GmbH war bereits ein DDR-Lizenzbau der Elbe Flugzeugwerke Dresden. Von den 90 geplanten Maschinen wurden lediglich 80 gefertigt. Die "Il-14P" war Besuchermagnet auf der Leipziger Messe 1957.

Parallele Entwicklungen an der sogenannten "Baade 152", die seit 1953 in der Sowjetunion gebaut wurde, gab es an diesem ersten deutschen Passagierstrahlflugzeug, was fortan in den Produktionshallen statt der Il-14P gefertigt werden sollte und Hoffnung auf eine erfolgreiche DDR-Luftfahrtindustrie machte. Politische, wirtschaftliche Gründe und der Absturz der Baade 152 bei einem zweiten Testflug am 4. März 1959 besiegelten 1961 das Ende des DDR-Flugzeugbaus. Wegen eingeklagter Rechte durch die Deutsche Lufthansa AG (West), wurde 1958 die staatliche Fluggesellschaft INTERFLUG gegründet und durch die Treuhand 1991 liquidiert. 


 

Der Blick vom Richard-Wagner-Platz zeigt links das KONSUM-Kaufhaus des Friedens und die Gleise führen zum Brühl Richtung Goethestraße und westwärts in den Ranstädter Steinweg. Der Linienverkehr der Straßenbahn durch die Innenstadt wurde ab 1948 aufgegeben - 1972 wurde im Brühl anlässlich 100 Jahre Leipziger Straßenbahn der Pferdebahnverkehr betrieben. Das Gebäude rechts ist der "Große Blumenberg", an dessen Ecke die Große Fleischergasse beginnt. Vor dem eingerüsteten Giebel, der für Leuchtreklamen genutzt wurde - befand sich eine Textilverkaufsstelle in einem provisorischem Gebäude. 

Zentral im Bild ein Pavillon, der anfangs als Möbelverkaufsstelle, später als Tombola genutzt wurde. Davor stand eine "Auskunft" für Gäste und Touristen zu den Leipziger Messen. Das große, repräsentative viergeschossige Gebäude in der Hainstraße beherbergte das Messeamt. 


 

Der Turm ist seit 60 Jahren verschwunden. 1956 wurde er teilsaniert, um ihn dann 1963 zu sprengen. Seitdem ein freier Platz mit Blick zum Grassimuseum. Ein kleines Kreuz erinnert an die 1943 im Krieg zerstörte Johanniskirche. 

Die Buna-Werbung am Giebel des ehemaligen Fernmeldeamt im Grimmaischen Steinweg verschwand mit dem Neubau des Hauptpostamtes (1961-1963) an jener Stelle, wo das zerstörte Postamt C1 gestanden hatte. 2015 wurde das Fernmeldeamt abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Nach dem Leerstand der Post 2011-2016 folgte die Rekonstruktion zum "Lebendigen Haus" mit einem Mieter- und Branchenmix, wie z.B. Motel One seit 2021, betreutes Wohnen, Büros, Supermarkt, Fitness. Die Sicht zu dem Eckgebäude Nürnberger Straße wurde durch das 1965 eröffnete Hotel Deutschland (Blue Radisson Blue Hotel) vom Karl-Marx-Platz (Augustusplatz) her eingeschränkt.

Auch heute durchqueren und tangieren Straßenbahnen den Platz.


 

Ob Gebäude, provisorische Bauten oder die Fläche, alles ist geschichtsträchtig und voller erzählenswerter Details. Seit 1890 besteht das Hotel am Tröndlinring und war eines der vornehmsten Häuser seiner Zeit, 1945 Hauptquartier der US-Truppen, dann HO-Hotel International, seit 1965 Interhotel der DDR, später auch mal das kleinste Kempinski. Rechts davon befindet sich die Reformierte Kirche, links seit 1926 ist das ehemals größte Textil-Messehaus der Welt, das Ring-Messehaus zu sehen. Das Gebäude reichte über den gesamten Innenhof bis zur Humboldtstraße, beim Um- und Neubau zu Hotels bis 2017 gekappt. Auf dem Platz zwischen Tröndlinring und Richard-Wagner-Straße, befand sich das kriegszerstörte Alte Theater Leipzigs und seit 1971 die viergleisige Straßenbahnhaltestelle Goerdelerring vormals Friedrich-Engels-Platz. Überall und zu allen Anlässen ist Fleischermeister Paul Adams Imbiss dabei. Es gab an vielen Stellen der Innenstadt und auf dem Messegelände Verkaufs-, Imbissstände, Pavillons und Losbuden.


 

Die Ringbebauung, eine Leipziger Großbaustelle von 1953 - 1955, wurde in Ziegelbauweise mit Putzfassade und Flachdach errichtet. In der arkadenähnlichen Erdgeschosszone zeigt sich der Bezug auf verschiedene Leipziger Baustile, gestaltet mit zahlreichen Schmuckelementen. Der monumentale, sieben- und neunstöckige Wohnungsbau, geschwungen und dem Ring um das Zentrum angepasst, erstreckt sich  vom Augustusplatz nach Südosten mit dem Roßplatz beginnend als Anbau an das Europahaus, unterbrochen durch die Goldschmidtstraße bis zur Grünewaldstraße und gibt weitere ehemalige Straßeneinmündungen des Seeburgviertels auf. Es entstanden 197 komfortable Wohnungen, zahlreiche Läden und das Ring-Café. Die Linie 16 fuhr mit dem typischen LOWA-Straßenbahnzug, hier mit dem Triebwagen in roter Lackierung und Logo des Fünfjahresplanes. Die Hänger waren bereits in den neuen Farben unterwegs. Zu entdecken sind außerdem Handkarren der Post, Kiosk, Leiterwagen und Baukräne.


Im Kreuzungsbereich Neumarkt - Reichsstraße und der Grimmaischen Straße der Messestadt Leipzig befand sich 1957 auf einer von Trümmern beräumten Fläche ein Parkplatz, da wo sich heute das Kaufhaus von Galeria Leipzig befindet. Auf der freien Ecke wurden aus provisorischen Lebensmittel- und Imbissständen der Staatlichen Handelsorganisation (HO) verkauft. Links und auf Bildmitte sind die beiden Messehäuser "Zentralmessepalast" und der "Handelshof", rechts ist der "Reichshof" zu sehen, der 1945 für rund zehn Jahre als sowjetisches Kaufhaus diente. Danach eröffnete der "Reichshof" als HO - Möbel- und Einrichtungshaus auf den beiden ersten Etagen. Mit dem Messesymbol "Doppel-MM" als Straßenüberspanner, zahlreichen deutschen Fahnen und Losungen wurde der internationale Handelsplatz präsentiert. Sowohl der Stadtfunklautsprecher und ein Messe-Informationskiosk sind erkennbar, besonders interessant: die über der Kreuzung hängende Verkehrsampel.


Der Karl-Marx-Platz - seit 1990 wieder Augustusplatz - ist bekannt als gesellschaftlicher und kultureller Mittelpunkt der Messestadt Leipzig. Die Nordseite des Platzes konnte zur Leipziger Herbstmesse 1954 für eine große provisorische Messe- Freiluftgaststätte genutzt werden. Das ist teils der Standort des ehemaligen Neuen Theaters und die Fläche, die bereits für Leipzigs neues Opernhaus geplant war. In der Zwischenzeit konnten an dieser Stelle Leipziger und ihre Messegäste nicht nur bewirtet werden. Auf der zentralen Bühne gab es Konzerte, traten Chöre auf und fanden Kulturprogramme statt. Die gastronomische Versorgung war über zahlreiche Kioske in Selbstbedienung gesichert. Ringsum und über der Bühne wehten die Fahnen der an der Messe beteiligten Nationen. Das Logo der Leipziger Messe strahlte von jeder Wand. 

Zur Frühjahrsmesse war dafür an gleicher Stelle ein großes Veranstaltungszelt aufgebaut worden. Die Innenstadt erlebte jede Messe als Großveranstaltung mit ihren Gastgebern gemeinsam. Mitte der 1950er Jahre gab es noch weitere provisorische Gaststätten im Zentrum.


 

Leipzigs Wiederaufbau und die Nutzung beräumter Trümmerflächen in der Innenstadt für provisorische Verkaufseinrichtungen erfolgten in den 1950er Jahren parallel. Die Staatliche Handelsorganisation (HO) und der KONSUM schafften mit zahlreichen Objekten attraktive Einkaufsmöglichkeiten für Textilien, Bekleidung, Möbel und Leuchten und zusätzliche Gastronomie für die Leipziger, die Touristen und zweimal im Jahr für die Messegäste. Manche Geschäfte waren in teilzerstörten Gebäuden, die durch Um- und Ausbau im Erdgeschoss noch viele Jahre betrieben wurden.

Einfallsreich gestaltete große Schaufensterflächen zeigten, damals unverzichtbar und wie man sehen kann, die Kundschaft wurde auch angezogen. Die Passanten in ihren modischen und ausgesprochen gepflegten Äußeren hatten fast jeder eine Tasche dabei und die meisten von ihnen trugen auch eine Kopfbedeckung.

Nirgends in der Stadt, also auch nicht an den Provisorien, fehlte es an Leuchtreklamen.


Der Platz der Republik (Willy-Brandt-Platz) präsentiert an seiner Westseite das damalige HO-Hotel ASTORIA. Nach den Plänen des Architektenbüros Lossow & Kühne wurde es 1913-1915 erbaut und von ihnen stammten auch die Pläne für den ebenfalls 1915 eingeweihten Leipziger Hauptbahnhof. Mit dem Anbau 1954-1957 konnten die Bettenzahl und die Zahl der Restaurantplätze fast verdoppelt werden. Der neue Haupteingang befindet sich seitdem an der Südseite. Nach umfangreichen Modernisierungen war es für die DDR-Regierung, deren Staatsgäste und die internationalen Messegäste das repräsentative Haus. Ab 1965 gehörte es zur Interhotel-Kette. Das plötzliche Ende von 1996 soll nicht das endgültige Aus gewesen sein. Bis 2025 könnte es wieder das erste Haus am Platz werden. Im Vordergrund sind die luxeriöse Limousine der Oberklasse GAZ-12-ZIM - gebaut zwischen 1950 -1960 in den sowjetischen GAZ-Werken, gefolgt vom Framo, dem späteren Barkas als Kleintransporter und verschiedene Straßenbahnen zu sehen.


Der Leipziger Weihnachtsmarkt war für meinen Vater ein Magnet. Ich kann mich nur an wenige gemeinsame Besuche erinnern. Er verband bei den alltäglichen Fahrten mit seinem sogenannten “Selbstfahrer” die Motivsuche auf dem Weihnachtsmarkt, dem Naschmarkt, der Grimmaischen Straße und er war stets auf dem Karl-Marx-Platz. Dort nutzte er für den Überblick den Aufzug im Krochhochhaus,  und um nur wenige Fotos vom Markt zu machen, den Personenaufzug im Königshaus. Der Blick zum ehemaligen Eingang des Untergrundmessehauses, zum Zeitungskiosk und der Pyramide zeigt im Jahr 1955 den geradlinigen Aufbau der Marktbuden. Immer mehr ergänzen künstlerische Elemente die Gestaltung des damals knapp 500-jährigen Weihnachtsmarktes. Weitere Fotos zeigen die Jagd nach Tannenbäumen, den mobilen Fleischer-Imbiss von Paul Adam, die Pulsnitzer Lebkuchen, Lauschaer Christbaumschmuck, Puppen, Weihnachtsdecken, Kerzen oder die Holzschnitzkunst, die auf ihre Käufer warteten. Doch auch Spielwaren, Haushaltsartikel und Textilien wurden angeboten. Verlockend der Duft von gebrannten Mandeln, Punsch und sicher auch Glühwein. Aufgemischt wurde das alles durch Los- und Schießbuden oder Ballwurf nach Blechdosen. Besonders auf dem Karl-Marx-Platz, dann ergänzt durch Fahrgeschäfte und Riesenrad, zeigte sich die Adventszeit als Volksfest und die erklärte Friedensweihnacht zwischen üblichen Agitationen. Nicht nur rings um den Marktplatz klafften noch die Lücken ehemaliger großartiger Bebauung, die durch provisorische Verkaufspavillons oder als Parkplätze genutzt wurden. Mit Weihnachtsgirlanden, Lichterketten und Tannengrün erhielt die Stadt ein wenig vom weihnachtlichen Glanz zurück. Voller Frohsinn und Hoffnung die Menschen auch.


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